Klassiker und Grundlagen

Vier Bücher, die Klassiker sind
Summa Technologiae (1964)

Den Autor Stanislaw Lem dürften die meisten durch seine SciFi-Bücher wie Solaris kennen. In seinem vielleicht wichtigsten nicht-fiktionalem Werk nähert er sich aus einer eher philosophischen Perspektive der Frage, was Technologie für uns bedeutet.

Besonders interessant sind dabei die „Grenzwertbetrachtungen“, also die Frage, was beliebig ausgereifte Technologien leisten können könnten. Mit zahlreichen Ideen war er seiner Zeit weit voraus und hat Dinge wie Suchmaschinen oder virtuelle Realität schon in den siebziger Jahren intellektuell untersucht.

Besonders seine Analogien zwischen Biologie und Technologie machen das Buch auch heute noch für Menschen interessant, die sich mit der Entwicklung von Technik auseinandersetzen.

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Der Buchdruck in der frühen Neuzeit (1991)

In der Monografie des Kommunikationswissenschaftlers Michael Giesecke geht es darum, wie das Phänomen „Buchdruck“ die Gesellschaft in Europa verändert hat.

Das hat erst mal nichts mit Digitalisierung zu tun. Dennoch kann die sehr umfangreiche Arbeit Denkanstöße geben, Parallelen aufzeigen, Unterschiede sichtbar machen.

Und, vielleicht noch wichtiger, die Arbeit kann auch ein Framework zur Untersuchung von gesellschaftlichem Wandel bieten, der durch technische Fortschritte ausgelöst und unterstützt wird.

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Being Digital (1995)

Mit erstaunlicher, fast prophetischer Genauigkeit sagt der „MIT Media Lab“-Gründer Nicholas Negroponte in diesem Buch einige Auswirkungen der Digitalisierung voraus.

Ausgehend von der Unterscheidung von Atomen und Bits zeigt er wichtige Aspekte wie Personalisierung, die Wandlung von Benutzeroberflächen oder der Wichtigkeit von Bandbreite auf.

Ein gutes Buch um zu reflektieren, was in den letzten Jahren passiert ist.

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Digital Literacy (1998)

Dieses Buch von Paul Gilster kommt nicht aus einer technischen, sondern aus den Humanities. Es geht ebenfalls von der These aus, dass das Internet „grundsätzlich anders“ sei.

Ziel des Buches ist es, Hilfestellung zu geben und grundlegendes Wissen zum Internet zu digitaler Technik und dem Internet im speziellen zu geben.

Auch, wenn viele Inhalte heute längst überholt sind, finden sich darin immer noch wichtige Grundlagen, die bis heute Gültigkeit besitzen.

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Cognitive Surplus (2011)

Das Buch von Clay Shirky erschienene Buch ist eigentlich eine Fortsetzung seines Buchs „Here Comes Everybody“.

Es setzt sich damit auseinander, was Menschen erreichen können, die gemeinsam an etwas arbeiten – wenn sich Menschen nicht nur als Zulieferer von Bausteinen, sondern auch von den Bauplänen der gemeinsamen Projekte verstehen.

Viele Punkte im Buch haben große Tragweite, z.B. die Bedeutung von Kultur. Wichtig sind aber auch die praktischen Beispiele, wie digitale Kollaboration Ergebnisse in der echten Welt fördern kann.

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The Next Digital Decade (2011)

Die von Berin Szoka & Adam Marcus herausgegebene Schriftensammlung enthält 31 Essays zu Fragen der Digitalisierung.

Der erste Teil setzt sich mit dem „bigger picture“ auseinander, der zweite Teil mit konkreten Problemen und Anwendungsfällen. Die Autoren reichen von Internet-Kritikern wie Evgeny Morozov bis Jura-Professoren wie David R. Johnson.

Während einige Artikel inzwischen überholt sind oder sich sehr detailliert mit juristischen Spezifika der USA auseinander setzen, finden sich in der Sammlung einige Essays, die auch heute noch ungeklärte Streitpunkte detailliert analysieren.

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Das neue Spiel (2014)

Michael Seemann hat hier etwas erschaffen, das anders ist, als die meisten Bücher in dieser Liste.

Erstens, weil das Buch in digitaler Form komplett kostenlos zu beziehen ist, weil es das Ergebnis von Crowdfunding ist. Und zweitens, weil er von der sehr radikalen These ausgeht, dass wir die Kontrolle über Dinge wie Datenschutz und Urheberrecht längst verloren haben.

Er sucht also nicht nach Wegen, den Status Quo zu erhalten, sondern viel mehr nach Wegen, mit diesem Kontrollverlust umzugehen.

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#wir (2014)

Wer sich ein wenig mit den Ergebnissen von Trendforschung auseinander setzt, wird bekannte Muster im Buch von Oliver Dziemba & Eike Wenzel erkennen:

Viele bekannte und unbekannte Buzzwords, einzelne quantitative Belege für die Wichtigkeit dieser Themen und vor allem zahlreiche praktische Beispiele in Form von Startups, Apps und Pilotprojekten.

Kein akademisches Buch, sondern anschaulich und leicht zu lesen.

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Analog ist das neue Bio (2015)

Im Titel hat Andre Wilkens auf clevere Botschaft schon die zentrale Botschaft untergebracht: Das Analoge, das Haptische, die echte Welt – das wird zu einer Nische.

Das Buch beschreibt also, wie Menschen sich bei zunehmender Digitalisierung zunehmend auf die „alte Art“ der Dinge zurück besinnen. Nicht als Gegentrend oder Ende der Digitalisierung, sondern als kleine Alternative, die nur einen geringen Marktanteil hat.

Leider schafft es das Buch nicht genau zu definieren, was genau „Analog“ oder „Digital“ bedeutet. Dennoch bietet es mit der im Titel enthaltenen Metapher einen schönen Ausgangspunkt zum Denken.

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Kultur der Digitalität (2016)

Das aktuellste Buch, das sich auf einem sehr grundlegenden Level mit der Digitalisierung auseinandersetzt kommt von Autor Felix Stalder.

Ein zentrales Augenmerkt legt er darauf, wie grundlegende Veränderungen alte Strukturen zum Einsturz bringen können. Ohne vorschnell klare Prognosen zur Zukunft zu treffen, setzt er sich mit der Vergangenheit und Gegenwart dieser Veränderungen detailliert auseinander.

Ein lesenswertes Buch!

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